Bitcoin-Höchst dank Tesla und Twitter

Der Elektro-Autobauer Tesla verschiebt 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin. Bisher betrachtete CEO Musk Krypto-Währungen als Spielplatz.

Der Elektro-Autobauer Tesla verschiebt 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin. Bisher betrachtete CEO Musk Krypto-Währungen als Spielplatz.

Wie hoch das wohl noch geht? Elon Musk hat mit seiner Ankündigung den Bitcoin-Kurs angeheizt.

Hannibal Hanschke / Reuters

Die Krypto-Währungen sind dezentral organisiert, darum gibt es keine zentrale Leitung und auch keine Marketing-Abteilung. Da können die verschiedenen Coins froh sein, dass es Elon Musk gibt, der kräftig die PR-Trommel für sie rührt. Der Tesla- und SpaceX-Chef hat in den vergangenen Wochen über den Kurznachrichtendienst Twitter den Kurs von Krypto-Währungen wie Bitcoin, Ethereum oder Dogecoin nach oben getrieben. Mit dem Resultat, dass diese über die Blockchain verwalteten Zahlungsmittel auf neue Höchststände geklettert sind.

Von Tesla und Twitter angetrieben

Notierung des Bitcoin, in Dollar

März 2020Febr. 2021Date010 00020 00030 00040 00050 000

Der Bitcoin legte am Montag über 11% zu und notierte deutlich über 43 000 \(. Dies war auf eine Mitteilung von Tesla zurückzuführen. Die am Montag publizierten Papiere, die an die Börsenaufsicht SEC eingereicht wurden, werfen ein neues Licht auf die «Krypto-Liebe» von CEO Musk. Aus diesen Papieren ist ersichtlich, dass Tesla seit Jahresbeginn 1,5 Mrd. \) der Cash-Reserven in Bitcoin investiert hat.

Er wolle seine liquiden Mittel breiter diversifizieren, gab Musk als Begründung an. Tesla wies per Ende Jahr liquide Mittel von 19 Mrd. $ aus. Dabei ist Musk nicht der erste Unternehmensleiter. Er stösst jedoch in eine andere Grössenordnung vor. Vor einigen Wochen gaben die US-Unternehmen Microstrategy und Square an, dass sie 400 Mio. beziehungsweise 50 Mio. $ ihrer liquiden Mittel in Bitcoins investiert hätten.

Elektro-Autos mit Kryptos bezahlen

«Wir gehen davon aus, dass wir in Zukunft Bitcoin als Zahlungsmittel für unsere Produkte zulassen werden», schreibt Tesla in den ans SEC eingereichten Unterlagen. Das hänge jedoch von den gesetzlichen Grundlagen ab und würde anfangs nur im limitierten Umfang praktiziert, relativiert das Unternehmen. Damit erhielte die Krypto-Währung, die bisher vor allem zur Wertaufbewahrung und Spekulationszwecken gehalten wird, erstmals eine breite Anwendung als Zahlungsmittel. Vor wenigen Wochen hatte der globale Zahlungsdienstleister Paypal verlauten lassen, dass Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum in das globale Zahlungssystem, das von 325 Millionen Nutzern verwendet wird, aufgenommen werde.

Die Tesla-Aktien kletterten am Montag zu Handelsbeginn um 1,5% auf 865 $. Der Kursverlauf des Elektro-Autobauers ist ähnlich steil wie jener des Bitcoins. Vor Jahresfrist notierten die Papiere auf knapp über 150 $.

Der Idee, dass Bitcoin sich Wertaufbewahrungsmittel und Alternative zu Gold etablieren könnte, die in den vergangenen Monaten viel Auftrieb erhielt, erweist der Tesla CEO jedoch einen Bärendienst. Wenn eine einflussreiche Persönlichkeit mit einem Tweet den Wert des Bitcoins über 10% oder mehr als 110 Mrd. $ aufblasen kann, wäre es auch möglich, dass eine Kurznachricht, die sich negativ zum Bitcoin äussert, eine ähnliche Bewegung nach unten auslöst. Mit einer dezentralen Währung, die angeblich von der globalen Nutzergemeinde getragen wird, hat das wenig zu tun.

Scherz-Währung promotet

Auf Skepsis stösst Musks Vorstoss auch, weil er immer wieder mit Krypto-Währungen «spielt». Mit einzelnen PR-Tweets hat er den Dogecoin im Januar einen atemberaubenden Kursanstieg beschert. Die angeblich nur als Jux kreierten «Meme-Coins» – Memes sind Bilder mit witzigen Texten auf der Social-Media-Plattform Reddit – ist in den vergangenen Tagen gemäss Coinmarketcap.com zur achtgrössten Krypto-Währung mit einem Wert von über 16 Mrd. $ aufgestiegen. Und Musk muss keine grossen Worte machen. So wie es reichte, wenn er «Bitcoin» zu seinem Twitter-Profil hinzufügte, führte auch der Zusatz «ehemaliger Geschäftsführer von Dodgecoin» oder ein Bild einer startenden Rakete mit dem Text «Doge» zu einem Kurssprung.

Eine fundamentale Begründung ist das nicht. Oft wird vermutet, dass Elon Musk nicht nur die Raumfahrt und die Elektromobilität, sondern auch das Geldwesen revolutionieren möchte. In der Auseinandersetzung in den Aktien des US-Unternehmens von Kleinanlegern gegen Hedge Funds stellte er sich denn auch auf die Seite der Kleinanleger und gegen das «Finanz-Establishment».

Musiker von gestern für Währung von morgen

Zuletzt surften auch der Alt-Rapper Snoop-Dog und Gene Simmons, der Gitarrist der Siebzier Glam-Rock-Band «Kiss» auf die Dogecoin-Welle. Diese nicht gerade für ihre Finanzmarkt-Kenntnisse bekannten Persönlichkeiten pushen die Währung ebenfalls über ihren Tweet-Account. Auf Blockchair.com ist ersichtlich, dass die Hälfte aller im Umlauf befindlichen Dogecoins von fast 79 Milliarden Coins in einem Wallet konzentriert sind und wenigen anderen Wallets der Grossteil der restlichen Coins. Dies mach die «Scherz-Währung» anfällig auf jegliche Spekulation.

Bei all diesen Höhenflügen, scheint bei Ethereum am meisten «Fleisch am Knochen» zu sein. Am Montag wurde erstmals ein Ethereum-Kontrakt an der US-Optionsbörse CME gehandelt. Die Ethereum Foundation mit Sitz in Zug treibt den Übergang zu Ethereum 2.0 voran. Die Blockchain wechselt vom energieintensiven Proof of Work (Mining) zu Proof of Stake. Dies soll Skalierungsprobleme lösen und den hohen Energieverbrauch lösen. Dank der digitalen Verträge, sogenannten Smart Contracts, die in die Coins integriert sind, wird die Krypto-Währung zum Betriebssystem für dezentrale Finanzanwendungen.

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